Das Team der ALGE verabschiedet sich

Eine Erfolgsgeschichte mit wenig Unterstützung

Vor gut zwei Jahren sind wir als selbstorganisiertes Team für die ALGE an den Start gegangen. Es war ein Projekt, das aus dem Herzen kam:  Heidelberg sollte einen Ort für gute Ernährung bekommen – gesund, klimaverträglich und ohne Tierleid.  Es war ist klar, dass das nur rein pflanzlich geht.

Mit viel Engagement haben wir die ALGE aufgebaut und weiter entwickelt. Auf Basis guter Lebensmittel, nach Möglichkeit Bio, regional, saisonal und ethisch korrekt sollte es sein. Wir haben unsere Lieferanten gefunden und sehr gute Partnerschaften entwickelt.

Der Anfang war hart, inmitten von Großbaustellen haben sich kaum Gäste in die ALGE verirrt. Wir haben weiter gemacht und es kamen immer mehr und mehr. Die ALGE wurde zu einem beliebten Anlaufpunkt, für viele Menschen. Die meisten Menschen, die kommen, schätzen die hohe Qualität unseres Essens, dass alles frisch zubereitet wird und schmeckt. Fast niemandem fehlen tierische Produkte.

Es kommen viele Menschen  aus der Nachbarschaft, der Region, aber auch sehr viele Touristen. Nicht Wenige wünschen sich daraufhin eine ALGE auch bei sich zuhause.

Das Gebäude, in dem sich unser Restaurant befindet, wird uns von der Stadt Heidelberg über die städtische Wohnungsbaugesellschaft GGH vermietet.

Wer seit Juni die ALGE besucht hat, dem ist vermutlich die nicht funktionierende Kühltheke, in der wir sonst unsere Desserts und hausgemachten Eistees präsentieren, aufgefallen.

Nicht, dass die Zeiten momentan für Restaurantbetriebe herausfordernd sind, wird der gesamte Zustand durch ausbleibenden Reparaturen seitens des Vermieters stark erschwert.

Am 14.9. haben wir deshalb folgendes Schreiben an

  • den Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg Dr. Würzner
  • das Liegenschaftsamt
  • das Umweltamt
  • die Wirtschaftsförderung der Stadt Heidelberg
  • die im Gemeinderat vertretenen Fraktionen

mit folgendem Anschreiben gesendet:

Sehr geehrter Herr Dr. Wuerzner,

seit Juni 2018 betreibe ich mit grossen persönlichen und finanziellen Engagement in der Bahnstadt das einzige vegane Restaurant in Heidelberg. Wie Sie der Webseite www.alge.de/heidelberg entnehmen können, handelt es sich dabei um ein persönliches Anliegen und einem Beitrag zum Klimaschutz. Das Objekt im Herzen der Bahnstadt im Bürgerzentrum B3 wird von der GGH im Auftrag der Stadt Heidelberg an mich vermietet.
Leider haben sich in den letzten Monaten die Probleme mit der GGH (beispielhafte Kommunikation anhängend) derartig verschärft, dass der Fortbestand der ALGE Heidelberg, welche von den Bürgern gut angenommen wird, akut gefährdet ist. Aus diesem Grund wende ich mich mit der Bitte um Unterstützung an Sie.
Es mir wichtig klarzustellen, dass es sich hier nicht um eine einfache Beschwerde über eine stadteigene Firma handelt, sondern das ich die Konflikte mit der GGH für systemisch halte, welche das Überleben zahlreicher kleiner Gewerbebetriebe gefährdet. Aus diesem Grund habe ich das Schreiben an weitere politische Entscheidungsträger sowie an die entsprechenden Referate der Stadt weitergeleitet.
Leider ist es mir bisher nicht gelungen, den für dieses Projekt verantwortlichen städtischen Ansprechpartner ausfindig zu machen. Hierbei wäre ich für Ihre Unterstützung sehr dankbar.
Über eine Eingangsbestätigung wuerde ich mich sehr freuen.
In der Hoffnung auf Ihre Unterstützung verbleibe ich
Ihre Anke Heines
Hier ist der Anhang zur Mail, der benannte Schriftverkehr mit der GGH kann bei Interesse gern zur Verfügung gestellt werden, wird hier nicht verlinkt, um keine Mailadressen preis zu geben:

Die Vision für eine klimafreundliche Stadt HD

Es kam zwar keine Eingangsbestätigung, aber nach ca. 10 Tagen haben wir uns durch Anruf telefonisch bestätigen lassen, dass das Schreiben eingegangen ist.

Gerade hinsichtlich der öffentlichen Aussagen unseres Oberbürgermeisters sind wir sehr enttäuscht über das Desinteresse am wirtschaftlichen Überleben kleiner Betriebe mit ökologischem Engagement. Wie Erich Kästner in seiner Lyrischen Hausapotheke schon sagte: “Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es!”.

Bis zum gestrigen Tag gab es gar keine Reaktion, gestern erhielten wir von der GGH folgende Email, die natürlich in keinem Bezug zum Schreiben  steht, aber auch interessant ist:

Sehr geehrte Frau Heines,

vom Stadtteilverein erhielten wir Beschwerden über einige Unstimmigkeiten in Hinsicht auf die Nutzung der Allgemeinflächen im Bürgerhaus. Wir geben diese an Sie weiter und bitten Ihr Personal entsprechend anzuweisen, damit eine reibungslose Nutzung für alle Mieter/Nutzer möglich ist.

  1. Die Tür zwischen Ihrem Restaurant und dem Bürgerhaus (Foyer Erdgeschoss) würde regelmäßig (nahezu täglich) bereits vor den Öffnungszeiten geöffnet und offen stehen gelassen werden. Dies führt zu einer Geruchsentwicklung (Essensgerüchen) im gesamten Bürgerhaus, insbesondere nach oben Richtung Foyer im Obergeschoss und Bürgersaal. Derartige Gerüche beeinträchtigen die Nutzung des Bürgersaals und des Foyers im Obergeschoss.

Anmerkung der ALGE:  Richtig, die Tür steht offen, sobald Mitarbeiter im Restaurant sind, da wir uns an die Empfehlung der Bundesregierung für  infektionsschutzgerechtes Lüften halten. Selbiges würden wir dringend dem Stadtteilverein zur Lüftung des Bürgerhauses empfehlen

  1. Die Maskenpflicht würde trotz diverser Hinweise von Ihrem Personal im Bürgerhaus auf dem Weg zu den Toiletten im Obergeschoss nicht eingehalten.

An dieser Stelle auch der Hinweis, dass Ihr Personal bitte das eigens dafür vorgesehene Personal-WC im Untergeschoss nutzen sollte.

Anmerkung der ALGE:  Wir haben ein eigenes Hygienekonzept für die ALGE. Unser “Personal” hat eine Einweisung in die Corona-Maßnahmen erhalten, ist bestens informiert und bemüht sich sehr um die Einhaltung. Wir führen im Restaurant sehr viele zusätzliche Schutzmaßnahmen durch, 

  1. Analog dazu würden auch Ihre Gäste keinen Mund-Nasen-Schutz auf dem Weg zu den Toiletten im Obergeschoss tragen. Auch hierauf wurden Sie von den Mitarbeitern des Bürgerhauses/Stadtteilvereins bereits hingewiesen.

Über die Maskenpflicht im Bürgerhaus für Personal und Gäste wurden Sie hingewiesen. Seit Wiedereröffnung befindet sich ebenfalls ein entsprechender Hinweis an der Glaswand zwischen Ihrer Einheit und dem Bürgerhaus.

Der gleiche Hinweis sowie weitere Corona-bedingte Regeln wurden ebenfalls in allen Toiletten sichtbar angebracht.

Anmerkung der ALGE: Das haben Sie alles sehr richtig wiedergegeben. Überall sind die entsprechenden Hinweise angebracht, wir sorgen für die Durchsetzung der Maßnahmen im Restaurant. Für die Durchsetzung der Maßnahmen im Bürgerhaus ist der Mieter des Bürgerhauses oder die Stadt zuständig. 

  1. Der Vorraum zum Lastenaufzug wäre nahezu täglich mit Gegenständen aus Ihrem Restaurant (Rollwagen, Leergutkisten, Sicherungsleinen für die Außenbestuhlung, Reiskocher, Kartons, diverse Essensbehälter) vollgestellt. Hinweise an Ihr Personal, dass dieser Bereich freigehalten werden muss und nicht als Lagerfläche für Ihre Einheit dient, wären bereits erfolgt, bleiben jedoch unbeachtet.

Anmerkung der ALGE:  Vom Restaurant gibt es einen direkten Zugang zum Lastenaufzug und im Sinne der Energieersparnis werden dort häufig mehrere Dinge gesammelt, bis sich eine Fahrt lohnt. Dieser Bereich ist nicht für Besucher des Bürgerhauses zugänglich und außerdem kein Durchgangsbereich.  Es ist nicht einzusehen, wegen des Transport jedes noch so kleinen Einzelteils separat Energie für den Fahrstuhl zu verschwenden. 

  1. Häufig versperren Ihre Lieferanten den Lastenaufzug mittels Gegenständen. Dies entspricht einer unsachgemäßen Nutzung und versetzt den Aufzug in eine Störung oder setzt diesen außer Betrieb. Dies ist bitte zu unterlassen, um Schäden und Störungen zu vermeiden.

Anmerkung der ALGE: Diese Behauptung ist höchstinteressant. Die meisten Nutzer des Lastenaufzugs, die den Lieferanteneingang benutzen, sind Mieter des Stadtteilvereins, der hauptsächlich die Flächen für Veranstaltungen und Feierlichkeiten vermietet. Der einzige Lieferant der ALGE, der den Lastenaufzug eigenständig benutzt ist der zweiwöchentlich anliefernde Bio-Großhandel. Es ist schwer vorstellbar, dass der Fahrer dieses Unternehmens den Aufzug mittels Gegenständen blockieren soll? Darüber wüssten wir gern mehr. Der Fahrer hat eher das Problem, dass der Lastenaufzug häufiger gar nicht funktioniert, was in jüngster Vergangenheit wiederholt vorkam.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr GGH Kundenservice

An alle Freunde der ALGE: Es tut uns im Herzen weh, wir sind angetreten, pflanzlichen Genuss in die Welt zu tragen. In Zeiten mit großen Pandemie-Herausforderungen sind wir auf Unterstützung und Wohlwollen  unseres Vermieters insbesondere für die bevorstehenden Wintermonate angewiesen.

Explizit sind wir nicht angetreten, um bürokratische Kleinkriege zu führen. Dafür ist uns die Zeit zu schade. Auch wenn uns klar ist, dass Heidelberg damit ein wichtiger Ort verloren geht, hat dies zu unserer Entscheidung geführt, die ALGE nicht weiter zu betreiben. Wir nutzen die von der Stadt/GGH angebotene Gelegenheit, den Mietvertrag zum 31.10.2020 aufzuheben.

Wir danken allen für die Treue, das viele Lob, die vielen netten Besuche und das viele Wohlwollen, was ihr uns immer wieder entgegen gebracht habt.

Wir nutzen den Monat Oktober für einige tolle Aktionen, wie den Abschiedsbrunch und ein großes Abscheidest mit befreundeten Vereinen und Initiativen und schließen in der letzen Oktoberwoche unsere Türen. Schaut auf unseren Instagram und Facebook Seiten für aktuelle Informationen dazu.

PS: Unserer Mission: rein pflanzliche Ernährung in die Welt zu tragen, bleiben wir natürlich treu. Es wird Neues entstehen, wir halten Euch auf dem Laufenden!

Euer ALGE Team